6 Muster der Schilddrüsenunterfunktion nach Dr. Kharrazian

Muster der SchilddrüsenunterfunktionEs gibt mindestens 6 Muster, nach denen man eine Schilddrüsenunterfunktion einteilen kann.

Zu diesem Ergebnis kommt der amerikanische Naturheilkundler Dr. Datis Kharrazian, Autor von: „Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto anders behandeln“.

Nicht nur den Laborwert sehen

Allein mit einem einzigen Schilddrüsenwert (TSH) kann man nicht klar eine Schilddrüsenunterfunktion bestimmen. Und doch ist das üblich in deutschen Arztpraxen.

Dr. Kharrazian geht noch einen Schritt weiter und sagt:

Selbst wenn mehrere Werte bestimmt werden, ist das noch lange nicht ausreichend für die Verordnung von Schilddrüsenmedikamenten.

Er ist Spezialist zu diesem Thema und warnt davor, Medikamente einfach nur nach dem Laborwert zu verordnen. Die Blutwerte werden nach seiner Erfahrung von vielen Behandlern in der Regel nicht richtig interpretiert. Denn es gibt Früh- und Spätstadien der Schilddrüsenunterfunktion und die sollte man beachten. Was die Stadien ausmacht, dazu steht mehr in diesem Beitrag.

Verschiedene Sichtweisen

Zur Beurteilung, ob Schilddrüsenmedikamente sinnvoll sind, sollte man unterscheiden zwischen zwei Sichtweisen unterscheiden:

  1. Schulmedizin: Dort geht man von Larborwerten aus, die einen Krankheitszustand zeigen. Oft sei die Schilddrüse (noch) nicht krank, trotzdem werden Medikamente verschrieben.
  2. Die Naturheilkunde dagegen geht von Werten aus, die ein Frühstadium anzeigen (Fachwort: funktionell). Im Frühstadium helfen Medikamente nicht, sie können womöglich sogar schaden.

Kennzeichen für ein Frühstadium ist, dass es noch keine Laborwerte gibt, aber alle Beschwerden/Symptome da sind.

Das alles beeinflusst die Schilddrüse

Alle sprechen von Schilddrüsenunterfunktion, aber welcher Art ist die eigentlich? Je nach Lebens- und Ernährungsgewohnheiten kann sie ganz anders sein.

Deshalb sollte man nicht nur auf die Laborwerte schauen, sondern auch fragen:

  • wie lange gibt es Stress?
  • wie ist der Blutzuckerspiegel? Chronisch hoch? Chronisch niedrig?
  • gibt es Hormonschwankungen?
  • sind die Nebennieren erschöpft?
  • gibt es chronische Entzündungen? Minimalentzündungen?
  • gibt es Nährstoffmängel?
  • Stauungsleber? Gallensteine?
  • Umweltgifte? Zahnmaterialien?

Das ist zwar eine lange Liste, trotzdem kann es noch vieles anderes mehr geben, was sich auf das Gleichgewicht der Schilddrüse auswirken kann.

Muster Nr. 1: Primäre Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Das ist eine echte Funktionsstörung der Schilddrüse und lässt sich als einzige wirksam mit Hormonen behandeln, so Dr. Kharrazian.

Voraussetzung für den Erfolg ist aber, dass keine Hashimoto-Erkrankung vorliegt, dann sollte anders behandelt werden.

Heilung mit Ernährung möglich?

Nach Meinung von Dr. Kharrazian kommt es entscheidend darauf an, in welchem Stadium der Schilddrüsenunterfunktion man sich befindet.

  • Wird die Diagnose früh gestellt (noch keine Gewebezerstörung), soll allein mit der Ernährung eine Heilung möglich sein. Medikamente könnten zurückgestellt werden, falls überhaupt noch erforderlich.
  • Liegt eine Gewebezerstörung vor, müssen Medikamente genommen werden. Denn der Ersatz durch die Hormone verhindert Komplikationen, die sonst aufgrund des Mangels auftreten würden.

Ärztliche Behandlung notwendig

Eine Unterfunktion wird durch den TSH-Wert bestimmt, der erhöht ist. Wer versucht, die Schilddrüsenunterfunktion allein mit der Ernährung zu kurieren, muss unbedingt begleitend in ärztlicher Behandlung sein.

  • Neutralisiert sich der Wert nach Änderung der Ernährung nicht, könnte eine Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmunerkrankung) vorliegen. Es sollten dann eventuell vorliegende Schilddrüsen-Antikörper bestimmt werden.
  • Bestätigen die Antikörper eine Hashimoto, sollte das Immunsystem gleichzeitig behandelt werden.
  • Wenn die Hypothyreose weit fortgeschritten ist, müssen Medikamente eingenommen werden.

Muster Nr. 2: Sekundäre Unterfunktion (Hypothyreose)

Diese Art der Unterfunktion basiert auf einer Unterfunktion der Hypophyse. Sie ist ein sehr häufiges Muster einer geschwächten Schilddrüsenaktivität und Folge von jahrelangem Stress.

Wichtig zu wissen ist, dass die geschwächte Schilddrüse sich auch wieder erholen kann. 

Bei einer sekundäre Unterfunktion ist der TSH-Wert niedrig.

Das Labor bringt keine Klarheit, aber es gibt viele typische Beschwerden, hier nur die 3 aller häufigsten:

Was Ihnen passieren kann, ist dass Sie nicht wirklich ernst genommen werden mit Ihren Beschwerden.

Die Schilddrüse ist erschöpft

Sofern überhaupt die Schilddrüse untersucht wird, lässt man Sie in der Regel trotzdem mit den Beschwerden alleine, denn Medikamente werden in diesem Stadium nicht unbedingt verordnet. Seien sie froh darüber! Denn gegen Müdigkeit und Verstopfung helfen die sowieso nicht. 🙁

Ein niedriger TSH-Wert zeigt in der Regel eine verminderte Leistung der Schilddrüse.

Die Schilddrüse ist aber nicht krank, sondern erschöpft. Verantwortlich dafür kann sein:

  • hektischer Lebensstil
  • falsche oder schlechte Ernährung
  • zu wenig Schlaf
  • zu viel Koffein
  • chronische Entzündungen
  • erschöpfte Nebennieren
  • zu viel Sport/Leistungssport

und andere körperliche Belastung, zum Beispiel nach einer Schwangerschaft (oder einem Abbruch).

Tabletten als Auslöser

Ausgesprochen ärgerlich ist es, wenn diese Form der Unterfunktion eventuell durch Schilddrüsenmedikamente ausgelöst worden ist. Leider werden solche Tabletten manchmal unnötig verschrieben. Die Folge kann ein Erschlaffen der Aktivität der Hormone sein.

Werden die Medikamente abgesetzt, könnte das die Lösung des Problems sein.

Wird dagegen die Dosis erhöht, kann es zum vollständigen Ausfall der Aktivität der Schilddrüse kommen und damit zur lebenslangen Abhängigkeit von dann notwendigen Medikamenten.

Je nach Sachlage könnte auch hier eine Ersatztherapie mit natürlichen Schilddrüsenhormonen angezeigt sein.

Muster Nr. 3: Chronische Nebennierenschwäche

Eine Nebennierenschwäche ist eine sehr häufige Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion. (Lesen Sie hier nach, welche Rolle Stressoren wie Coffein dabei eine Rolle spielen.)

Bei diesem Muster der Schilddrüsenunterfunktion ist der Laborwert TSH normal. Das macht die Sache so verzwickt.

Denn es gibt eine Überproduktion von Cortisol. Außerdem sind durch Entzündungen Zellwände beschädigt. All das verhindert die Umwandlung der Hormone in die stoffwechselaktive Form.

Die Hormone T4 und T3

Zuerst liegen die Hormone in einer nicht aktiven Form vor (T4). Erst die Umwandlung in die aktive Form (T3) ist wirksam. Für diesen Vorgang kommt es darauf an, dass die Leber gut funktioniert. (Wie das abläuft, habe ich hier beschrieben.)

Und jetzt kommt das Problem: Eine unzureichende Umwandlung von T4 in T3 wird oft nicht diagnostiziert, weil ein niedriger T3-Wert am TSH-Spiegel nicht abzulesen ist.

Das ist der Grund, weshalb Schilddrüsentabletten und Ersatztherapien in diesem Fall nicht wirken können. Dr. Kharrazian weist darauf hin, das sie nutzlos sind. Grund:

Chronischer Stress steht bei dieser Form der Schilddrüsenunterfunktion im Vordergrund.

Daraus ergibt sich die einfache, kostenlose und für jede/n umsetzbare „Therapie“ 😉

  • Ruhe und Ausschlafen
  • Erholung

So einfach kann das sein. Aber wer kommt da schon drauf? 🙁

Muster Nr. 4: Erhöhte Testosteronwerte bei Frauen

Kommen wir zum 4. Muster der Schilddrüsenunterfunktion nach Dr. Kharrazian. Dabei geht es um erhöhte Testosteronwerte bei Frauen. In dem Fall gibt es einen Überschuß von dem Hormon T3.

Ein Zuviel von diesem stoffwechselaktiven Hormon überfordert die Zellen. Als Reaktion kommt es zu den üblichen Beschwerden der Schilddrüsenunterfunktion.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei der chronisch erhöhte Blutzucker.

Schilddrüse und Blutzucker

Den Blutzucker stabil zu halten ist eine der Grundbedingungen für die Regulation der Schilddrüsentätigkeit. (Wenn Sie das genauer verstehen wollen, können Sie hier nachlesen.)

Es geht dabei um die Insulinresistenz, wie man einen chronisch hohen Blutzucker bezeichnet. Oder es ist bereits Diabetes diagnostiziert worden.

Speziell Frauen mit Eierstockzysten, Fachwort: polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) sind betroffen. Denn die Insulinresistenz geht zusammen mit der Produktion von Testosteron.

Die gute Nachricht: Geht die Insulinresistenz zurück, verziehen sich auch die Beschwerden der Schilddrüsenunterfunktion. 🙂

Muster Nr. 5: Nach Pilleneinahme oder Östrogen-Ersatztherapie

Nach jahrelanger Einnahme der Pille oder nach einer Hormonersatztherapie in den sogenannten Wechseljahren kann es zu einem Überschuss von nicht benötigtem Östrogen kommen.

Diese hormonelle Übersteuerung bezeichnet Dr. Kharrazian wie „Sand im Getriebe des Hormonhaushalts“.

So eine Überflutung löst alle möglichen Störungen aus.

Belastung für die Leber

Jeder Aufbau von Hormonen kann die Leber belasten, denn sie ist für den Abbau zuständig, damit die Hormone auch wieder ausgeschieden werden können.

Ist die Leber chronisch überlastet, arbeitet sie langsamer, es kommt zu einer Stauung und die zahlreichen Funktionen werden geschwächt.

Arbeitet die Leber nicht richtig, zieht das zahlreiche Probleme nach sich, zum Beispiel

Weil die Hormone nicht ordnungsgemäß abgebaut werden können, gelangen sie in den Blutstrom zurück – und zwar in einer giftigen Form. Dies gilt insbesondere für Östrogene mit den möglichen Folgen:

  • Brustkrebs
  • Endometriose
  • knotig verhärtetes Brustgewebe
  • Eierstockzysten
  • Gebärmutterkrebs
  • Prostatakrebs und -vergrößerung
  • Menopause und Wechseljahres des Mannes

Hohes Östrogen wirkt sich auch direkt auf die Schilddrüse aus, denn es behindert in der Leber die Umwandlung von T4 in die aktive Form von T3.

Wie wird man die Hormone wieder los?

Sofern es aktuell eine Hormonersatztherapie gibt, muss eine Entgiftung der Leber ärztlich oder naturheilkundlich begleitet werden. Dabei ist das Ausschleichen aus der Therapie anzustreben.

Eine Entgiftungskur für die Leber ist notwendig, dürfte aber sehr unangenehm sein. Denn es wird zu Hormonschwankungen kommen, die es gilt durchzuhalten. 🙁

Muster Nr. 6: Hormone gelangen nicht in die Zellen

„Dies ist ein weiteres streßbedingtes Muster, bei dem die Schilddrüse normal funktioniert und ausreichend Hormone gebildet werden“ schreibt Dr. Kharrazian.

Leider können die Hormone vom Körper nicht genutzt werden, weil sie nicht in die Zellen gelangen.

So kommt es zu typischen Beschwerden der Schilddrüsenunterfunktion.

Wie schon in Muster 3 beschrieben, ist es der Streß, der mit den Jahren die Nebennieren erschöpfen lässt. Diese produzieren immer und immer zu viel Cortisol („Streßhormon“), so dass es zur Erschöpfung kommt.

Die Zellen können einfach die Hormone nicht mehr aufnehmen.

Die Aufmerksamkeit braucht also nicht auf die Schilddrüse gerichtet werden, sondern man sollte sich um die Nebennieren kümmern. Einige Tipps dazu habe ich bereits hier im Beitrag zu Nebennierenschwäche  gegeben. Am wichtigsten war

  • Streßabbau
  • Ruhe, schlafen, Nichtstun

Erholung ist angesagt, denn man nennt diesen Zustand auch burn-out. 🙁


Quelle für den Beitrag: Buch von Dr. Kharrazian: „Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto anders behandeln“, Kapitel 4

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„Ich nehme seit heute in Absprache mit meinem Arzt, kein Euthyrox mehr ein und es ist für mich ein befreiendes Gefühl.“

 

„Ich schlafe wieder gut, meine Haut ist nicht so trocken, ich bin nicht mehr so ängstlich und ich kann mich wieder konzentrieren.“

5 Kommentare

  1. Jutta Bruhn

    Hallo Mira, es ist genau umgekehrt: Die sogenannten „Wechseljahre“ gibt es nur bei Schilddrüsenproblemen. 😉

    Nein, im Buch von Dr. Kharrazian findest du zur Ernährung keine Antworten, jedenfalls keine, die ich unterstützen würde. Ich empfehle die Makrobiotische Heilküche (MBH). 🙂

    Liebe Grüße
    Jutta

  2. Olga

    Hallo Jutta,
    durch meinen Kinderwunsch hab ich vor einem Jahr erfahren, dass ich Hashimoto habe und ich meine sogar, dass Testosteronwert etwas erhöht ist.. Meine Ärztin hat mir aktuell sogar 100 mg Hormone verschrieben wegen KW.. ich merke aber, dass das Ding im Hals größer geworden ist. Nehme trotzdem 75 mg solange die habe.
    Meine Ärztin will nix von Heilpraktikern hören.
    Lese seit Tagen hier drin, vielen Dank dafür. Endlich hilfreiche Tipps. Allerdings ist das eine krasse Umstellung. Esse so gerne Süßes. Können auch Parasiten im Körper schuld dran sein?

  3. Samira

    Hallo,
    Ich habe eine Schilddrüsenunterfunktion bzw. schon Hashimoto. Nehme leider L-Thyroxin schon seit ein paar Monaten, weil der TSHWert bei mir sehr hoch war (16), und dann selbst ein Arzt der eher auf der natürlichen Schiene behandelt, gemeint hat ich soll die Hormone nehmen.
    So weit ich gelesen habe, ist hashimoto an sich nicht mehr heilbar. Ist das korrekt? Das heißt ich muss die Medikamente weiter nehmen? Oder kann ich durch Ernährungsumstellung, durch die Zufuhr von Vitaminen und durch eine Unterstützung der Leber wieder irgendwann auf die Medikamente verzichten? Oder soll ich gar das Medikament absetzen damit überhaupt der Körper sich heilt?

    Ich wäre Ihnen so dankbar für eine Antwort.

    • Jutta Bruhn

      Hallo Samira, Hashimoto hat nichts mit einer temporären Unterfunktion zu tun. Hormone helfen nicht bei Hashimoto. Es ist schön, wenn der Arzt sonst mit natürlichen Mitteln behandelt, warum jetzt nicht? Der TSH-Wert ist nicht maßgeblich (siehe Beitrag oben).

      Noch ist Zeit, wieder aus den Tabletten auszusteigen. Ich rate Ihnen, die Ursache für die Schilddrüsenstörung anzugehen und die Ernährung zu ändern.

      Viele Grüße aus Berlin
      Jutta Bruhn

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