Die guten Kartoffeln und wie man sie entgiftet

Die guten Kartoffeln und wie man sie entgiftet

Die guten Kartoffeln und wie man sie entgiftet

Mit diesem Artikel über die guten Kartoffeln und wie man sie entgiftet werde ich mich wohl nicht gerade beliebt machen, das ist mir klar. Denn alle lieben die tollen Knollen und nun schreibe ich über die Nachteile!

Kartoffeln sind Spitzenreiter in der Bio- und Gesundheits-Szene. Keiner scheint nach den negativen Auswirkungen von Kartoffeln zu fragen. Doch es gibt sie und ich werde Ihnen hier einige Gründe nennen, warum ich die heiß geliebten Erdäpfel am liebsten in der Erde lasse.

In diesem Beitrag geht es darum, wie sich die Kartoffel gegen den Menschen als „Fraßfeind“ zu wehren weiß. Als Rezept stelle ich Ihnen die köstlichen Süßkartoffeln vor.

Die Kartoffel wehrt sich mit Gift

Wer will schon gerne aufgefressen werden? Auch Pflanzen mögen das nicht. Die stärkste Waffe der Kartoffelpflanze gegen Insekten heißt Solanin und ist eine Art Nervengift (genaueres dazu bei Wikipedia).

Solanin verbleibt auch beim Kochen. Und: Vor allem die kleinen Kartoffeln haben es buchstäblich in sich. Hören Sie dazu den Lebensmittelchemiker Udo Pollmer:

Magen-Darm-Beschwerden durch Kartoffeln

In kleinen Mengen ist Solanin natürlich völlig unschädlich. Erst wenn man 25 Kilo unserer modernen Kartoffel essen würde, käme es zu Vergiftungserscheinungen. Die Höchstgrenze für Kartoffelgifte liegt bei 20 Milligramm Solanin pro 100 Gramm Frischgewicht. Etwa ab dieser Menge sollen Menschen den bitteren Geschmack von Solanin wahrnehmen. Das hat man im Jahre 1924 festgelegt und es gilt erstaunlicherweise bis heute.

Zu Schäden und Todesfällen kommt es eher bei Nutztieren wie Schafen, die von den hochgiftigen Blättern der Kartoffelpflanze fressen.

Für Menschen geht es darum: Die Symptome einer leichten oder schweren Solaninvergiftung äußern sich wie gewöhnliche Magen-Darm-Beschwerden. Und welcher Arzt denkt dann schon an Kartoffeln?

Dass die Kartoffel an den Verdauungsbeschwerden womöglich einen Anteil hat, ist leider ausgerechnet bei Bio-Kartoffeln möglich. Das liegt am höheren Gehalt von Solanin, dem natürlichen Gift in der Kartoffel.

Bio-Bauern haben die meisten Probleme

Der Gehalt an Solanin in Kartoffeln ist unter anderem abhängig von der Sorte.

  • Züchtet man Kartoffelsorten mit wenig Solanin, sind sie anfällig gegen Insekten.
  • Kreuzt man kräftige wilde Sorten ein, steigt wiederum der Solaningehalt.

Eine Zwickmühle, die besonders Bio-Bauern zu schaffen macht, weil sie auf resistente Sorten Wert legen, die aber leider mehr Solanin enthalten als Kartoffeln aus dem Supermarkt.

Das Problem: Von Insekten befallene Kartoffeln bilden zur Abwehr hohe Mengen Solanin. Das ist schlecht für die hungrigen Insekten und auch für Menschen. Uns stehen allerdings Möglichkeiten der Entgiftung zur Verfügung, die Insekten nicht haben.

Entgiftungskur für Kartoffeln

Was können wir tun, damit das Solanin entweicht? Dazu habe ich einige Tipps:

TIPP Nr. 1: Solanin ist vor allem in Frühkartoffeln enthalten.

TIPP Nr. 2: Auf keinen Fall sollte man die grünen Stellen oder die Triebe von Kartoffeln essen

TIPP Nr. 3: Nach Sonnen- oder Lichteinwirkung steigt der Gehalt an Solanin stündlich an. Je länger die Kartoffeln im Laden oder in der Auslage auf dem Markt liegen, desto mehr Solanin dürften sie also enthalten.

TIPP Nr. 4: Der höchste Gehalt an Solanin wird direkt unter der Schale gefunden. Deshalb ist es also doch richtig, die Kartoffeln dick zu schälen.

TIPP Nr. 5: Man sollte nur unbeschädigte Kartoffeln kaufen. Denn an den Anstoß- und Druckstellen durch Maschinen bildet sich das Solanin.

Ich sage nur: Was für ein Aufwand und so viele Risiken! Da kann man über Alternativen nachdenken, zum Beispiel über die Süßkartoffel.

Oder kehren wir am besten zurück zu Pastinaken. Die gab es nämlich als Grundgemüse, als es noch keine Kartoffeln in Europa gab.

Süßkartoffeln – köstlich!

Süßkartoffeln nennt man auch Bataten. Mit der Kartoffel sind sie überhaupt nicht verwandt. Ich finde sie köstlich, haben Sie sie schon mal probiert? Hier mein allereinfachstes Grundrezept:

einfacher geht es kaum
Süßkartoffeln_dämpfen

Süßkartoffeln_dämpfen

Zutaten für 1-2 Portionen

  • ½ oder eine ganze Süßkartoffel
  1. Süßkartoffel schälen. Wenn Sie nur die halbe Knolle brauchen, lässt sich die andere Hälfte problemlos im Kühlschrank aufbewahren.
  2. In grobe Stücke schneiden und im Siebeinsatz mit wenig Wasser dämpfen. Das dauert nur 5 bis 7 Minuten.

Mit Butter oder/und wenigen Tropfen Shoju servieren.

Variante: Süßkartoffeln können auch in Wasser gekocht werden. Sie sind viel schneller gar als Kartoffeln.

Kennen Sie auch eine schöne Zubereitungsart von Süßkartoffeln? Schicken Sie mir doch Ihr Rezept in einem Kommentar, dann können das andere auch lesen und nachkochen.

Die Quelle für diesen Beitrag stammt aus dem Heft 2 von 2006, Seiten 5-11 vom Wissenschaftlichen Informationsdienst des Europäischen Institutes für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften (EU.L.E) e.V. https://www.euleev.de/


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20 Kommentare

  1. Doreen

    Liebe Frau Bruhn, ich bin auf Ihrer Seite gelandet, weil ich glaube, dass ich gerade eine Solaninvergiftung habe. Es passt vieles.

    Ich habe starke Bauchschmerzen. Die begannen während ich Kartoffeln aß.
    Ich wollte ein 3 Tage Kur nur mit Kartoffeln machen.
    Habe kuerzlich von einem biohof Kartoffeln bestellt. Da waren auch welche dabei, die laut Bio quer mit Viren infiziert sind, die Stellen soll man wegschneiden sonst sei es bitter sonst nicht weiter schlimm.
    Tatsaechlich schmeckten sie trotzdem leicht bitter. Ich denke mal die Kartoffel hat wegen des befalls extra viel solaninvergiftung gemacht und da ich nur mit Kartoffeln satt werden wollte, hab ich einige davon gegessen.
    Jetzt esse ich keine erstmal. Aber die Bauchschmerzen verschwinden nicht. Wie lange dauert das und wie kann ich meinen Körper unterstützen, die Solaninvergiftung zu überwinden?
    Ich möchte mich ungern stundenlang in ein Wartezimmer setzen, um mir dort Andere Krankheiten zu holen und vom Arzt dann noch ausgelacht zu werden. Haben Sie einen Tipp für mich?
    Ich wäre sehr dankbar.
    Habe 1TL heilerde gegessen. Erbrechen musste ich nicht. Durchfall hab ich auch nicht.
    Liebe Grüße
    Doreen

    • Jutta Bruhn

      Hallo Doreen, ich gratuliere zu dieser erkenntnisreichen Erfahrung, auch wenn sie negativ ist. 🙂

      Stimmt, ich würde auch nicht zum Arzt gehen damit, die Schulmedizin kann nur in Extremfällen helfen. Ich habe keine direkte Erfahrung mit Solanin-Vergiftung, deshalb muss ich Ihnen dazu raten, einen Arzt aufzusuchen, wenn sich die Beschwerden nicht schnell bessern.

      Es hört sich an, als ob es sich um eine sehr moderate Vergiftung handelt. Sie sollten das beobachten.

      Heilerde ist eine sehr gute Idee, die würde ich mehrere Tage hintereinander anwenden und reichlich einfaches Wasser trinken.

      Schnelle Hilfe könnten Umeboshi-Pflaumen bringen, aber vermutlich haben Sie die nicht im Haus? Haben Sie Ume-Würzessig? Den kann man verdünnt trinken.

      Was klar ist: NIE wieder Kartoffeln! 😉

      Herzliche Grüße aus Berlin, Jutta Bruhn

      • Doreen

        Doch :)! Ich habe tatsächlich gerade zufällig Umeboshis im Kühlschrank. Unglaublich 🙂
        Soll ich aller paar Stunde eine oder 1/Tag?

        Die Symptome ertrage ich noch, nur die Auswirkungen von Solaninvergiftung im Körper klingen ziemlich beunruhigend.

          • Doreen

            Vielen Dank für die schnellen Antworten. Mittlerweile finde ich die Umeboshis sogar ganz lecker 🙂

          • Jutta Bruhn

            … aber bitte nicht übertreiben ;-). Umeboshis enthalten viel zu viel Salz, um auf Dauer gesund zu sein. Man verwendet sie lieber nur ab und zu im Essen – pur nur als Notmaßnahme. 🙂

  2. Sieglinde Miksche

    Hallo, ich koche mit dem Thermomix immer eine Süßkartoffelsuppe.
    1 Schalotte, 1 St. Ingwer haselnussgross in dünne Scheiben, 30g Olivenöl, 600g Süßkartoffeln geschält in Stücke, 500 g Wasser, 400 g Kokosmilch, Gemuesebruehe, 2TL Salz, 1/2 TL Kreuzkümmel gemahlen, 1/2 TL Koriander gemahlen
    Schalotten und Ingwer zerkleinern und in Öl anduensten. Restlichen Zutaten zugeben, kochen ca. 20 min und puerieren. Als Topping kann man Süßkartoffelscheiben wie Chips anbraten.

    • Jutta Bruhn

      Vielen Dank für das Rezept! Ich nehme an, es ist für 4 Personen berechnet? Es paßt leider nicht wirklich auf diese Webseite, weil ich nicht empfehlen kann, so viel Süßkartoffeln zu verwenden (zu viel Stärke auf einmal), statt Gemüsebrühe gibt es Miso und gekocht wird mit Kokosfett und nicht mit Olivenöl (evtl.mal als Ausnahme).

      Ich kann auch nicht dazu raten, pürierte Suppen zu essen, jedenfalls nicht in der Menge. Denn viele Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion haben Probleme mit Sodbrennen. In dem Fall ist Püriertes kontra.

      Trotzdem, wie gesagt, vielen Dank!

  3. Jutta Bruhn

    Wie gesund Süßkartoffeln sind, kann wohl niemand sagen. Übertreiben würde ich es nicht.

    Normaler Gartenkürbis ist wahrlich keine Freude im Geschmack. Deshalb empfehle ich den Hokkaido-Kürbis. Der grüne Hokkaido ist der Beste, er hat die Konsistenz genau wie mehlig kochende Kartoffeln.

  4. Andrea Schmeling

    Liebe Frau Bruhn,

    wieder mal ein interessanter Artikel. Ich finde ich es nicht sehr glücklich in dem Video von euleev.de, daß darin am Ende des Videobeitrags der weltweite Siegeszug von Pommes, Chips & Co. aufgrund des „niedrigen toxischen Gehalts“ als Grund für die Beliebtheit bei Kindern als Argument gebracht wird!

    Herzliche Grüße, Andrea S.

    • Jutta Bruhn

      Hallo,

      genau, da stimme ich voll zu. Leider ist bekannt, dass Udo Pollmer seine wirklich guten Infos immer wieder dadurch abschwächt, dass er zum Schluss unhaltbare Empfehlungen ausspricht. Wie hier zum Pommes.

      Mir geht es um den ersten Teil des Videos. Das sind wichtige Infos zu Kartoffeln:

      – keine mit grünen Stellen kaufen
      – Kartoffeln reifen nicht nach
      – Keime großzügig rausschneiden
      – keine kleinen Kartoffeln nehmen, haben noch mehr Solanin als große

      Das ist wichtig. Den Schluß mit Pommes sollte man einfach weglassen.

      Viele Grüße aus Berlin
      Jutta Bruhn

  5. Kathrin

    Liebe Frau Brun

    ich bin auch so angefressen von Süsskartoffeln ;), nach Ayurveda entspricht das auch meinem Typ.

    Was ich absolut köstlich finde: Süsskartoffeln mit Kokosfett und gutem Salz in der Pfanne mit geschlossenem Deckel langsam garen. Die zwei Aromen von Kokos und Süsskartoffeln sind einfach paradiesisch.

    Herzliche Grüsse – Kathrin Anderau Höhne

  6. Ida Zeltner

    Hallo, liebe Jutta! Ich lese zum ersten mal Deine Berichte und bin ganz begeistert, Dich gefunden zu haben. Meine Frage:wie ist das mit dem Kokosfett? Ich dachte immer, das soll man möglichst vermeiden, weil nicht gesund wegen Cholesterin etc.
    Süßkartoffeln habe ich auch erst kennen gelernt, schmecken ganz wunderbar!! Eintopf mit Curry und Karotten u.dgl.
    Liebe Grüße Ida Zeltner

    • Jutta Bruhn

      Hallo liebe Ida,

      herzlich willkommen bei mir! Das mit dem Cholesterin und Kokosfett kannst du getrost vergessen, das Gegenteil ist wahr. Zu dem Thema wird es noch viele Beiträge geben. Am besten dranbleiben und den Newsletter bestellen.

      Viele Grüße aus Berlin
      Jutta Bruhn

  7. g

    hallo frau bruhn

    ich brate die süßkartoffeln roh in scheiben mit ghee bio 7 minuten
    schmeckt gut

    liebe grüße g h

    • Jutta Bruhn

      Hallo Frau Hiller,

      danke für die Anregung. Klar, man kann Süßkartoffel auch als Bratkartoffeln zubereiten.

      Viele Grüße
      Jutta Bruhn

  8. Jutta Bruhn

    Hallo liebe Doris,

    das Rezept hört sich Spitze an! Hast du das schon mit Kokosfett probiert? Weil dieses Fett höher erhitzbar ist als Olivenöl. Man kann für den guten Geschmack das Olivenöl nach dem Backen drüber geben.

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