Alter Hut: Schon wieder Arsen im Reis?

Reisfasten

Schon 2012 ging die Meldung von geringfügigen Mengen von Arsen im Reis in Dänemark durch die Presse. Später war das auch ein Thema in Deutschland. 

Aktuell scheint sich die Umweltmedizin dafür zu interessieren. Es wird Arsen im Blut im Labor gesucht. Und bekanntlich findet man ja so manches, wenn man nur danach sucht.  

Ich frage mich, wieso niemand eigentlich nach dem Arsengehalt im Trinkwasser fragt. Der kann regional viel höher sein als im Reis. 

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Gesundheitsbeeinträchtigung ist unwahrscheinlich

Das Bundesinstitut für Risikobewertung meldet:

"Eine akute Gesundheitsbeeinträchtigung ist bei den gemessen Gehalten in Reis und Reisprodukten für alle Bevölkerungsgruppen in Deutschland (Säuglinge, Kleinkinder, Kinder, Erwachsene und ältere Menschen einschließlich von Viel- und Extremverzehrern) unwahrscheinlich." Quelle: https://bit.ly/3mUbBTk

Die Presse meldet das ganz anders mit reißerischen Überschriften wie: "Reis-Test: Zu viel krebserregendes Arsen in zwölf Marken" (Öko-Test)

"Reis hat oft ein Problem mit Arsen, Mineralöl und Pestizidspuren. Das zeigt unser Test von 21 Reismarken – darunter Basmatireis, Parboiled-Langkorn-Reis sowie Vollkornreis. Vier Produkte aus unserem Reis-Test können Sie aber ohne Bedenken auftischen, sie sind "sehr gut"."

Das Testergebnis bekommt man natürlich nur, wenn man es bezahlt.  

Organisch oder anorganisch?  

Man kann nicht pauschal von Arsen sprechen, sondern muss genau hinschauen auf die Oxidationsstufe. Das wird in Pressemeldungen in der Regel nicht getan. Sonst hätte es die reißerischen Meldungen auch nicht geben können. Denn:

  • Nicht giftig sind organische Arsenverbindungen in Fisch und Meeresfrüchten (Krabben, Garneelen ...). Andere Lebensmittel sind noch gar nicht dazu untersucht worden. 
  • Es kann höchstens zu chronischen Hautveränderungen, Gefäß- und Nervenschädigungen kommen, wenn diese Form des Arsens über lange Zeit aufgenommen wird. 
  • Giftig können anorganische Arsenverbindungen sein, wenn man sie in hoher Dosis aufnimmt. 

Arsen im Reis

Dazu die Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung: 

Wie andere Getreidearten auch, nimmt die Reispflanze Arsenverbindungen über die Wurzeln auf. Von dort gelangen die Stoffe über den Stoffwechsel der Pflanze auch in die Früchte, also die Reiskörner. Es ist bekannt, dass Reis mehr Arsen in anorganischer Form enthalten kann als andere pflanzliche Lebensmittel.

Reis wird oft unter anaeroben (unter Ausschluss von Sauerstoff) Bedingungen im Boden angebaut, indem die Felder geflutet werden, was zu einer erhöhten Verfügbarkeit des Arsens im Boden führt. Weist zudem das Bewässerungswasser hohe Gehalte an Arsenverbindungen auf, schlägt sich dies auch in höheren Gehalten in den Reiskörnern nieder. Folglich schwankt der Gehalt an Arsenverbinden im Reis je nach dem Arsengehalt von Boden und Wasser der Regionen, in denen er angebaut wird, und ist außerdem von der Anbaumethode und der Reissorte abhängig.

Da anorganisches Arsen sich besonders in den Randschichten des Reiskorns anreichert, sind die Gehalte im verzehrfertigen Produkt auch von der Verarbeitung des Reises abhängig.

Was sagt der Ernährungsfachmann?


Steven Acuff

Steven Acuff

Der Ernährungsfachmann Steven Acuff zu Arsen im Reis:

  1. Asiaten essen 10-12 mal mehr Reis als Deutsche. Arsenvergiftungen sind dort nicht bekannt. 
  2. Man kann mit der richtigen Zubereitung die Arsenbelastung deutlich verringern.

Das zeigt: Man darf die Horrormeldungen zu Arsen im Reis nicht überbewerten. 

Ich habe mein Essverhalten nicht verändert nach der Nachricht über Arsen. Denn ich schätze die positiven Wirkungen von Naturreis.

Nachdem ich etwa 20 Jahre lang regelmäßig Naturreis gegessen habe, habe ich eine Haar-Mineral-Analyse machen lassen und Arsen war bei mir überhaupt nicht zu sehen. Das zeigt mir, dass ich nichts zu befürchten habe.

Außerdem: Ich esse jeden Tag Meeresalgen und die sind dafür bekannt, dass sie Natriumalignat enthalten, das Schwermetalle aus dem Körper entfernen soll. Auch andere Stoffe sollen entfernt werden, denn Arsen ist kein Schwermetall.

Wenn man sich bemüht, die Arsenbelastung zu reduzieren und regelmäßig Meeresalgen verwendet, kann man ohne viel Mühe dafür sorgen, dass die schädlichen Stoffe gebunden werden und nicht in den Körper gelangen.


Am wenigsten organisches Arsen enthält weißer Reis. Das ist logisch, denn Arsen sammelt sich in der Schale in der Außenschicht und wenn die wegpoliert ist, gibt es auch weniger Arsen. Nach meinen Informationen hat weißer Reis etwa die Hälfte der Belastung gegenüber dem Vollkornreis.

Naturreis enthält etwas mehr organisches Arsen und am allermeisten haben die Reiswaffeln. 

Anbaugebiete machen den Unterschied

Es geht auch darum, wo der Reis herkommt. Große Sorgen macht zum Beispiel Reis aus Texas, USA. Dort wurde früher auf den Feldern Baumwolle angebaut und man hat arsenhaltige Schädlings-bekämpfungsmittel benutzt. Diese heftigen Gifte durften nur deswegen benutzt werden, weil Baumwolle kein Lebensmittel ist. 

Das giftige Arsen ist in den Böden verblieben und heute pflanzt man Reis auf diesen Äckern. In den Reispflanzen reichert sich Arsen in den Wurzeln an. Der größte Anteil Arsen sammelt sich in den Wurzeln, nicht im Korn.

Tipp zum Reis kochen 

Für alle, die trotzdem noch eingeschüchtert sind und auf Nummer super-sicher gehen wollen, gibt es einen Trick, wie man den Arsengehalt im Reis mindern kann. 

Die Methode ist recht aufwändig und aus meiner Einschätzung überhaupt nicht nötig, aber bitte schön, hier der Tipp von Steven Acuff: 

So wird Arsen zu 80 % reduziert

  • Erst mal den Reis in kaltem Wasser spülen.
  • Nach dem Spülen in einer Schüssel mit reichlich frischem Wasser einweichen. Der Reis sollte nicht nur bedeckt sein. So gelangen die gelösten Stoffe gut ins Überschusswasser.
  • Das Einweichwasser schüttet man weg und spült den Reis danach unter fließendem Wasser ab.
  • Dann wird der Reis in mehr Wasser gekocht, als man eigentlich für den Kochvorgang braucht. Wenn das Wasser anfängt zu kochen, kann man diesen Überschuss entfernen. In dem heißen Wasser beim Aufkochen löst sich noch etwas von dem Arsen. Durch das Abschöpfen kann man das Arsen sehr stark reduzieren, wahrscheinlich zu 80 %. 

Was ist mit Reiswaffeln und Reissirup? 

Es stimmt, dass Reiswaffeln mehr mit Arsen belastet sind als Reis den man kocht. Doch es ist sehr leicht, einfach auf Buchweizenwaffeln oder andere Getreidewaffeln auszuweichen.

Die andere Belastungsquelle ist Reismalz (Reissirup). Soweit man den Geschmack mag, kann man Gerstenmalz zur Abwechslung nehmen, wenn der Geschmack passt. Oder man nimmt wenige Tropfen Stevia dazu, denn die Süßkraft von Stevia ist gewaltig und man braucht weniger Reissirup.

Warum wird ausgerechnet mit Arsen so viel Angst verbreitet?

Warum beschäftigen sich die Medien nicht mit den viel giftigeren Stoffen Glutamat oder Glyphosat oder mit dem Cadmium in Kartoffeln? 

Ein Grund dafür könnte sein, dass das mediale Aufgreifen dieser in unserem Essen enthaltenen Gifte zu starker Verängstigung der Menschen führen würde. Als Folge blieben viele Fertigprodukte im Regal stehen, was der Lebensmittelindustrie finanziell schaden würde. 

Würden die gesundheitlichen Bedenken wegen Cadmium in Kartoffeln publik werden, käme es vielleicht zu einem Aufstand der Bauern? 

Wieviel einfacher ist es da, das Arsen im Reis zu thematisieren, wo doch Reis nur eine Nebenrolle in unserer Ernährung spielt. Niemand wird wirklich geschädigt, aber die Presse hat ihren Aufreißer. 

Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern weiterhin gute Gesundheit mit Reis! 🙂 

Die Autorin: Mein Name ist Jutta Bruhn. Ich bin seit langen Jahren Heilpraktikerin und informiere zur Ernährung und Naturheilkunde bei Schilddrüsenproblemen und Hashimoto.

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